Horst

9. September 2014

Horst
 hat braune Augen, die ausgewaschen aussehen und zur Mitte hin heller, fast weiß werden.
 Ich frage ihn, was Licht für eine Bedeutung hat, für ihn als ehemaligen Architekten und gegenwärtigen Künstler. Er zögert nur kurz, druckst, öffnet dann seine Arme, hält sie weit auseinander und sagt:
 „Unermesslich. Licht, das ist Leben.“
 Er hat im Jahr 2010 an der künstlerischen Gestaltung der Fenster der zu renovierenden Dorfkirche in Schönwalde mitgewirkt. Den Moment, in dem die Fenster eingesetzt waren und neues Licht in die Kirche fiel, beschreibt er als „unbeschreiblich“. Es sind Hoffnungsfenster, Bilder zu Zitaten aus dem alten und neuen Testament. Am besten gefällt mir Der Regenbogen über der Arche. Im dazugehörigen Bibelvers erklärt Gott den Regenbogen zum Zeichen des Bundes zwischen ihm und der Erde.
 Ein anderes Fenster bebildert den Bibelvers Ihr seid das Licht der Welt:
„… es kann die Stadt, die auf dem Berg liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ 
Das einzige was an der Inneneinrichtung der Kirche nicht erneuert worden ist, nur restauriert, ist der Himmel über dem Altar. Ein Sternenhimmel.
 Vor dem Abschied sagt Horst: „Ohne Licht geht nichts.“ Er lacht.
 „Ohne Licht könnte ich mir meine Nachtschichten gar nicht vorstellen.“

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Petra besucht den Friedhof neben der Kirche bei Sonnenuntergang. Sie hat leuchtende, blass grüne Augen und wünscht mir herzlich alles Gute für die Reise. Sie steht an dieser Stelle stellvertretend für all die Menschen, die mir in noch so kurzen Begegnungen auf der Reise viele gute Wünsche mitgegeben haben.

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