Mohi

9. September 2014

Mohi 
hat ruhige, grün-braune Augen.Als mir seine Frau Tina das Waldhausstudio, für die Nacht auch mein Schlafplatz, zeigt, stellt sie dafür nach und nach acht verschiedene Lampen an. Alte Stehlampen mit Schirm, einen Bühnenscheinwerfer, eine Schreibtischlampe, mehrere Tischlampen und eine Laterne draußen.Trotzdem bleibt es schön schummrig.
Als Mohi dazukommt, spreche ich ihn auf die Scheinwerfer an und er erzählt, dass die Künstler sich mit dem Scheinwerferlicht im Studio wohlfühlen. Außerdem wärmen die Strahler geräuschlos, im Gegensatz zum Holzofen. Mohi bedauert, dass heute kaum ein neuer Scheinwerfer ohne die nicht wärmenden LEDs verkauft wird. Neulich bestand er in einem Laden auf ein altes Modell. Der Verkäufer wies auf die LEDs hin, die Kosteneinsparung, die geringere Wärmeabgabe. Mohi darauf: „Ja, aber ich will ja, dass das Licht wärmt.“
Das Studio ist mit unzähligen Scheinwerfern bestückt. Modelle in Miniaturformat beleuchten die Sammlung der im Studio aufgenommenen CDs an den Fensterrahmen. Später im Bett lasse ich meine Füße von einem großen Bühnenscheinwerfer wärmen.

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In den Fenstern des Waldhausstudios spiegelt sich in der Nacht nur, was drinnen ist. Draußen ist Finsternis. Tina hat mich mehrmals gefragt, ob ich mich vor der Dunkelheit fürchten würde. Ich wusste es nicht.
Das hat mich daran erinnert, dass die Dunkelheit nachts früher Normalität war. Die Niederlande und Großbritannien waren die ersten Länder, in denen Stimmen laut wurden, es gäbe gar keine Geister. Beide Länder hatten unmittelbar zuvor als erste Straßenbeleuchtung bei Nacht eingeführt. Heute ist es ein Leichtes, die natürliche Dunkelheit zu durchdringen. So ist es schön, wenn man sie um das Waldhausstudio dunkel sein lässt.
Vor drei Jahren haben sich Mohi und Tina für Solarzellen auf ihrem Hausdach entschieden. Mohi erzählt be- geistert, dass diese mehr Strom erzeugen, als sie in ihrem Haushalt verbrauchen und wie es die Energiewende erleichtern würde, wenn jeder bei sich anfinge. Ebenso kann der Strombedarf Sachsen-Anhalts allein durch die Windkraftanlagen gedeckt werden, weiß Mohi. Neulich, als er von einem Konzert nachts nach Hause fuhr, erstreckte sich vor ihm ein besonderes Panorama: Bis zum Horizont die rotblinkenden Lichter der Windräder.
Tina schaut nicht so begeistert, als Mohi von den Solarzellen berichtet. Sie sagt, ihr gefällt es optisch nicht, die Solarzellen hätten das Haus „verschandelt“. Beide kommen überein, dass es sinnvoll ist und es im Nachbardorf ein Haus mit Solarzellen gibt, bei dem es sehr unauffällig, fast schön, aussieht.
Nach dem Frühstück zeigt mir Mohi Fotos vom 90. Geburtstag seiner Mutter. Sie hatten die alten Stehlam- pen, die sein Bruder leidenschaftlich sammelt, im ganzen Garten aufgestellt und eine unglaublich schöne At- mosphäre damit erzeugt. Hingucker war jedoch eine Tischlampe, die sich drehte und blinkte.
Aus Plastik, aus China.

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