Mareike & Anek

9. September 2014

Mareike
 hat klare grau-blaue Augen, die zur Mitte hin etwas hellgelbes haben. Sie erklärt mir die Benutzung der Solardusche und weist mich darauf hin, dass das Wasser sehr heiß sein wird. Ich staune. Auf die Frage, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sei, antwortet sie: „Das war schon klar. Ich war auf der Waldorfschule und wollte Gärtnerin werden.“ Heute kann sie auf freier Basis weitere Demeter-Gärtner ausbilden.

Anek
 steht vor seinem Acker und kann sich schwer für einen Lieblingsplatz entscheiden. Schließlich sagt er: „Hier war es.“ Er nennt ein genaues Datum im Januar 2011. Es war ein sonniger Tag. Sie hatten den Hof besichtigt und wollten zuletzt noch den Ausblick vom Feld sehen. Und der mehrere Kilometer weite Blick ohne ein Haus zu sehen und dieses Licht haben die Entscheidung, das Grundstück zu kaufen, leicht gemacht.
Dieses Licht, im Winter wie im Sommer, betont Anek immer wieder. Und auch wenn die Sonne schon hinter den Bäumen verschwunden ist, zeigt meine Kamera ausgesprochen helle Werte.

tag3anek+mareike

Den Solarspiegel und die Solardusche, die zum Hofleben gehören, habe ich eher erfahren als erforscht.
Ich habe an diesem Ort irgendwie nicht das Gefühl, dass es etwas besonderes sei. Es gehört einfach dazu. Wie auch die Komposttoilette. Ich habe Sonnennudeln gegessen und Sonnenduschen genommen und es fühlte sich genau richtig an, so wie es eben in das Bild vom Leben auf dem Hof passt. Auf dem Feld früh um sieben zu hacken, ist ein angenehmes Gefühl. Es ist hell, überhaupt: die ganze Zeit, die ich dort bin, ist vollgesogen mit Sonne. Mit nackten Füßen und beiden Händen die warme Erde zu spüren, ist vertraut, obwohl ich mich nicht erinnern kann, das schon einmal erlebt zu haben. Es weckt den Gedanken an etwas Urnatürliches. Es lässt mich daran denken, wie sehr das Leben von der Natur geprägt war noch bis vor wenigen Generationen, als die Zeit noch am Sonnenstand gelesen worden ist.
Ein Lichterkenntnis gewinne ich bei Mareike und Anek, als ich über die weiten Abendlicht gefluteten Felder blicke: Licht braucht Raum.

Go top