Manfred

9. September 2014

Manfred
 hat ruhige und freundliche Augen, grau-blau, würde ich sagen. Er sitzt entspannt in seinem Büro und empfängt mich, als würde er mich erwarten und Zeit für mich haben, und so ist es. Er beginnt mir von seinem Weg zum Licht zu erzählen.Alles begann mit einem Artikel, den er in den 80er Jahren las, über in Amerika entwickelte Tageslichtlampen. Er fand das spannend und wollte mehr darüber erfahren.
Wenn ich jetzt aufschreibe, was ich von ihm gelernt habe, wird das eher ungeordnet passieren und wahrscheinlich auch unvollständig, so viel hat Manfred mir zum Thema Licht erzählt.
Zunächst bei den Wurzeln der Menschheit angefangen: Zuallererst lebten Menschen bzw. ihre Vorfahren allein mit dem Tageslicht der Sonne. Das erhellt den Himmel, gegen den sich ein zwangsläufig dunklerer Boden absetzt. Die Menschen standen in Abhängigkeit zu diesem Licht. Dann entdeckten sie das Feuer, eine am Boden gelegene, wärmende Lichtquelle in Dämmerung oder Dunkelheit. Das Licht von Feuer enthält wärmere Farben als das Sonnenlicht und wurde zumeist am Abend, vor dem Schlafen, entfacht.
Es beruhigte, wenn in der umliegenden Dunkelheit weitere Feuer anderer Menschengruppen zu sehen wa- ren. Die Wirkungen dieser zwei unterschiedlichen Lichtquellen prägen auch noch heute unseren Alltag mit künstlichem Licht. Gedimmte, warme Lampen sorgen für gemütliche Behaglichkeit; helles, klares Licht von der Decke wird als Tages- und Arbeitsbeleuchtung eingesetzt.
Die Zufuhr von Tageslicht oder hellem, weißen Licht unterdrückt die Melantoninausschüttung in unserem Körper, die dafür sorgt, dass wir müde werden um den lebenswichtigen Schlaf zu halten.Tageslicht macht uns wach, Dämmerlicht und Dunkelheit müde. Je nach gewünschter Situation ist das Licht ein einflussreicher Faktor in der Gestaltung unserer Umgebung. Für eine Arbeits- oder Tagesbeleuchtung sollte eher helles, weißes Licht eingesetzt werden, dass die Decke erhellt, wie die Sonne den Himmel.
Runde Lampenformen oder -formationen sind verbindend und so z.B. für Besprechungen in Gruppen geeignet. Einzelne Lampen wie etwa oft in Cafés oder Restaurants dienen der Separierung und können Privatsphäre und Gemütlichkeit erzeugen.Viele der Lampen in Manfreds Angebot haben eine Umschaltfunktion. Sie sind zum einen dafür ausgelegt, helles klares Tageslicht zu imitieren und zum anderen warmes, gedämm- tes Licht für den Abend abzugeben. Einige sind wie Fenster gestaltet, um den natürlichen Lichteinfall in Räume nachzuahmen. Ich bin beeindruckt und möchte auch so eine Lampe. Diese helfen nachweislich Winterdepressionen zu lindern oder zu vermeiden. Anders als bei Lichttherapiegeräten, leuchtende Kästen, bei denen man einfach davor sitzt (der Placeboeffekt sei dabei nicht irrelevant, betont Manfred), lässt sich das gesunde Licht von Manfred in den Tagesablauf integrieren. Man erhält so die heilende Wirkung des Lichts quasi nebenbei am Arbeitsplatz oder in Wohnräumen. Doch auch wenn die Lampen helfen können Winterdepres- sionen zu lindern, ersetzen sie doch nicht das beste Heilmittel, Draußen sein bei Tageslicht.
Licht ist Energie. Sonnenlicht hat das höchste Lichtpotential von 100%. Normale Lampen decken etwa 70- 85% ab;Tageslichtlampen, auch Vollspektrumlicht genannt, mehr als 90%. Demnach sind sie reicher aber nach wie vor nicht so wertvoll wie echtes Sonnenlicht.

manfred

Die Licht- und Lampenindustrie hat heutzutage drei Standbeine und Entwicklungsbereiche: Energiesparlampen, LEDs und gesundes Licht.Aktuell sind die Spektrumwerte für LED-Licht noch nicht so gut, also in jedem Fall ausbaufähig, meint Manfred. Auf dem Markt gibt es einige Konkurrenten für ihn, die ihren Produkten Gesundheitsförderlichkeit bescheinigen, ohne dass das Licht wirklich bessere Qualität hat, zu Verkaufszwecken. Manfred beschreibt ein interessantes Phänomen: In südlichen Ländern in denen es draußen viel und recht gleichmäßig Licht gibt, sind Innenräume wie Büros und Gaststätten ebenso hell gestaltet, oft durch helle Leuchtstoffröhren. Man kommt aus dem Hellen draußen und möchte es innen ebenso hell, erklärt Manfred. Während hingegen in nördlich gelegenen Ländern sehr helle Innenbeleuchtung eher die Seltenheit ist.
Man gestaltet dort Räume mit indirektem, oft auch warmen Licht, was den Mangel an hellem Tageslicht nochmals verstärkt, aber der Gewohnheit der Menschen entspricht.
Zum Thema Lichtverschmutzung zeigt Manfred mir ein großformatiges Buch, in dessen Einband eine Welt- karte, fotografisch aufgenommen bei Nacht, abgebildet ist. Die Lichtzentren sind zu sehen. Belgien, sagt Manfred, ist bei Nacht immer zu erkennen. Es ist das Land mit der größten Lichtemission. Beachtlich für das kleine Land, es leuchtet vollkommen.
Wir brauchen die Dunkelheit, meint Manfred, um Ruhe zu finden. Sie ist essentiell für unseren Organismus.
Den Gedanken, dass wir lichtsüchtig sein könnten, schließt Manfred nicht aus. Dass wir, gefühlt, immer mehr Licht brauchen, kann an der Qualität des Lichts liegen. Manfred zieht den Vergleich zu ungesunder Ernährung und Fettleibigkeit, dass man immer mehr des Schlechten bedarf, wenn auch weniges von dem Guten reichen würde. Er fügt an, dass man mit dem Blick nur auf Kalorien ja auch nicht richtig liegt. Ebenso ist es mit der ausschließlichen Betrachtung der Helligkeit des Lichts.Was zählt sind die Inhaltsstoffe und die Qualität.
Den Vorteil des LED-Straßenlichtes sieht Manfred darin, dass die Lampen leicht ein- und auszuschalten sind. So gäbe es die Möglichkeit durch Apps einen Weg, wenn man ihn geht, zu beleuchten und darauf dann die Beleuchtung wieder auszuschalten, was Energieersparnis und eine Verringerung der Lichtemission bedeuten würde.
Manfred wohnt an einem Deich an der Nordsee. Für sein Geschäft lohnt es sich nach Hamburg gezogen zu sein. Die Menschen auf dem Land bedürfen in der Regel viel seltener spezieller Tageslichtlampen. In der Stadt ist der Bedarf deutlich höher.
Beeindruckt bin ich, dass Manfred bei seinen Beleuchtungskonzepten z. B. für Geschäfte, Büros und Kindergärten seine Priorität auf das Empfinden und Wohl der Mitarbeiter legt. Daraus entsteht dann folglich auch eine bessere Wirkung auf die Kunden. Das ist einleuchtend.
Er arbeitet hauptsächlich mit kleinen Firmen, deren Chefs im selben Büro wie die Angestellten arbeiten und dadurch den Einfluss der Lichtqualität und deren Wirkung auch persönlich merken. Große Firmen entscheiden sich für das bessere und auch um einiges teurere Licht nur in Ausnahmefällen.Wie zum Beispiel die Lufthansa an ihrem Lost-&-Found-Schalter. Das Beleuchtungskonzept von Manfred trägt dort zur Entspan- nung der Menschen bei – und somit auch zur einfacheren Klärung der Situation.
Licht hat einen immensen Einfluss auf unsere Psyche. Das habe ich auch selbst am Morgen gespürt, als ich in einem fensterlosen Raum aufgewacht bin, in dem nur eine Lampe steht, die sehr warmes Licht abgibt, was mich im Moment des Aufstehens eher negativ beeinflusste, wieder müde machte.

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