Hannes

9. September 2014

Hannes Augen leuchten. Gemeinsam abendessend wissen wir noch nicht so recht, warum ich ihn um ein Gespräch bat. Seine Musik begleitet mich oft in meinem Alltag und irgendwie wollte ich wohl gerne den Menschen dazu kennenlernen.Was das mit dem Thema Licht zu tun hat, nun ja Bühnenlicht und Lampenfieber, irgendwie so. Am Ende eines langen Gesprächs kann ich dann doch noch sehr viel andere Lichtinformationen zusammentragen. 
Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die Licht innerhalb eines Jahres zurücklegt. Ein Nichtjahr (zurückzuführen auf den Begriff Nichtgeschwindigkeit, ein Titel des Albums Endlich Nichts), ist laut Hannes: die Zeit an einem Ort, von dem man sich nicht wegbewegt. Das unbewegte Jetzt also.
Bühnenlicht erzeugt ein besonderes Verhältnis zwischen Publikum und Künstler. Das Licht kann man als Mittel der Projektion sehen. Es ist wie im Kino, die Zuschauer sehen durch das Licht etwas, bekommen etwas geboten und die Möglichkeit ihre eigenen Gedanken und Gefühle auf den, der auf der Bühne steht, zu projizieren. Der Künstler ist dieser Projektion ausgeliefert.Am Anfang, sagt Hannes, war das für ihn sehr schwer anzunehmen, vor allen Dingen als die Süddeutsche Zeitung titelte „Spaceman Spiff hat das Zeug zum neuen Helden“. Er fragte sich, wie er das halten sollte. Hannes bekam Minderwertigkeitskomplexe gegenüber Spaceman Spiff. Heute fällt es ihm leichter anzunehmen und zu trennen.
Er denkt weiter nach über die Funktion von Licht auf der Bühne und kommt zu einem Schluss, der für ihn selber neu und interessant ist. Das Licht beim Konzert ist wie die Hintergrundmusik im Film. Beides unterstützt und trägt Stimmung. Dieser Vergleich ist spannend und gelungen, finde ich.
Später erzählt er von Neuseeland, wo er einen Winter verbrachte.Vom Sterneschauen. Der Nachthimmel ist dort dunkler und sieht auch ganz anders aus in der Südhemisphäre. Das hatte ich noch nie gehört.
Es ist einleuchtend und doch schwer vorstellbar.Von dort aus blickt man direkt in die Milchstraße und sieht nicht nur ihr Ende, deshalb gibt es mehr Sterne zu sehen. Man meint sogar, dass sie ineinander verschwimmen, sagt Hannes.Woraufhin ich mir dicke, leuchtende Sternklumpen vorstelle.
Später nach der Beantwortung der Frage nach dem Hellsten Moment stößt Hannes noch auf eine weitere mögliche Antwort: Als er aus Neuseeland zurückkam, aus dem Sommer dort in den nicht enden wollenden Winter hier, war es ernüchternd. Er beschreibt das Bild, wie er im Zug sitzt und die Menschen und die Umgebung wirkten farblos grau, irgendwie versumpft. In dem Moment fühlte er sich, als würde er leuchten. Und mit ihm die Sonne und Freude aus Neuseeland.
Mit Hannes in Hamburg nehme ich viel unterschiedliches Licht wahr. Die absurde Lichtzusammensetzung im Kumpirhaus mit roten Leucht- und pinken Lichterketten, altmodischen Stehlampen,Wandlampen und Kerzen. Dann die energiesparende/kaputte Glühbirnenkette vor der Bar. Die Helligkeit, die der Tag am Nachthimmel hinterlassen hat. Und zuletzt bei Hannes, die selten unschöne Plastiklampe. Sie hat Hannes auf vielen Konzerten begleitet um auf der Bühne von ihm abzulenken. Sie sieht sehr mitgenommen aus. Sie dreht sich und dadurch entstehen Formen, irgendwie optische Täuschungen, auf jeden Fall sehr ablenkend.

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