Jan

9. September 2014

Jan
 hat hellblaue Augen, sanft und unscheinbar. Er scheint ein ruhiger Mensch zu sein und ich bin nach einer anstrengenden Fahrradetappe etwas heiser und sehr müde und so wechseln wir zunächst wenige Worte. Jan erzählt von einer Kollegin, die auf die Frage, warum sie in die Region gezogen sei, gesagt habe, das Licht hier sei besonders. Es sei ein sehr hartes Licht, vor allem im Frühjahr, mit sehr klaren Schattenkonturen.
Jan zeigt mir viele bewegende Fotos, einige davon in dieser Zeit aufgenommen. Er möchte gern mal nach Island. Ich erzähle vom Abend davor, Sigur Ros gehört und eine fremde Landschaft mit besonderem Licht vor meinem inneren Auge gesehen zu haben. Island in der Musik.
Jan berichtet von einer Reise nach Saudi-Arabien, dass es näher am Äquator viel schneller hell und dunkel wird, die Sonne höher steht und die Nacht viel rascher hereinbricht. Es wärmer ist am Tag und kälter in der Nacht. Jetzt erinnere ich mich, dass mir jemand von der Liebe zu glühenden Sommernächten erzählt hat, in denen die Straßen und Häuser die Wärme des Tages nach und nach freigeben.
Wie subjektiv wahrnehmbar Dunkelheit ist erlebe ich auf dem ehemaligen Kasernengelände, dass Jan mir zeigt um dort Portraits von mir zu machen. Dort laufen wir durch einen Tunnel, der von außen gesehen komplett finster aussieht. Beim Hineinlaufen ist das Ende des Tunnels viel heller, als ich es von außen wahrgenommen habe. Meine Augen haben sich an das sehr spärliche Licht gewöhnt und ich kann mehr erkennen. Später gibt es noch eine umgekehrte Situation: Ich fühle mich in Dunkelheit eingeschlossen, ohne ein Gefühl zu haben, wie weit der Raum um mich ist, und laufe auf ein in einiger Entfernung zu sehendes Licht zu. Das Gefühl ist sehr eindringlich, zwischen Dunkelheit und Licht irgendwie zwischen Ungewissheit und Sicherheit – oder Unsicherheit und Gewissheit.

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