Otto

9. September 2014

Otto hat klare blaue Augen, schaut aber die meiste Zeit während er redet auf seine Hände, die mit etwas spielen. Ich kann aus dem, was er erzählt erahnen, dass er viele Fäden in Kolding in der Hand hält. Eine Gruppe von in der Stadt tätigen Geschäftsmenschen, darunter Otto, rief das Kolding Lightfestival ins Leben, dessen Direktor er nun ist. Innerhalb von zehn Monaten wurde die erste Veranstaltung auf die Beine gestellt. Es ist das erste Lichtfestival in Dänemark, sagt Otto.
Es orientierte sich an Vorbildern wie Amsterdam oder Lyon. Die Idee am Anfang war recht simpel und fast naiv, da niemand von den sechs Leuten des Organisationsteams schon einmal an etwas derartigem mitgewirkt hatte. Sie fanden eine Firma in Kolding, die Konzepte für Lichtinstallationen entwirft. In Zusammenarbeit mit dieser Firma entstanden bis zum Festival verschiedene Lichtobjekte an zentralen Orten der Stadt. Ebenfalls gelang es vier Künstler zu fördern und ihnen Lichtinstallationen zu ermöglichen. Das Festival erfüllt die Stadt, trotz geschlossener Ladenzeilen, drei Tage lang mit Leben.
Veranstaltungen und überhaupt viele Menschen auf der Straße sind eine große Seltenheit an Winterabenden in Dänemark. „Du musst dir vorstellen“, sagt Otto, „dass hier von Oktober bis März alle in ihren Häusern sitzen.“ Deshalb ist der Sommer auch direkt mit dem Draußensein verbunden. Sankt Hans, das Fest des Lichts, bringt das auf den Punkt.
Zum Lightfestival waren die Straßen drei Abende lang belebt, Menschen begegneten sich. Otto berichtet, dass oft das Wort Lichttherapie fiel und meint, dass wohl schon die Installationen durch ihre Ästhetik und ihr Leuchten eine sehr positive Wirkung hatten. Er hofft sehr, dass sich das Festival entwickelt und wächst. Er möchte auch ermöglichen, dass jedes Jahr eine der Installationen zu einem permanenten Kunstobjekt in der Stadt wird.

ottotag17
Es scheint sich einiges zu tun zum Thema Licht in Kolding. Auch das Wahrzeichen, das Koldinghus, soll bald in neuem Licht erstrahlen. Ein schönes Beispiel dafür, wie viel Veränderung Licht bewirken kann, liefert ein Hotelbesitzer, dessen Hotelfassade ebenfalls in eine Lichtinstallation mit eingebunden werden sollte. Er gab sich einverstanden, war aber zunächst nicht sehr überzeugt. Als er dann das Gebäude erleuchtet sah, war er so begeistert von der Wirkung, dass er unbedingt im nächsten Jahr wieder am Lichtfestival teilhaben möchte. Der erste Impuls des Festivals war es Menschen zusammenzubringen und längerfristig eine Identität für die Stadt zu schaffen. Ich denke an Ditte Blohms Installation auf dem Lightfestival, die begleitet war von der Frage, ob Licht das Zusammensein von Menschen verändern kann und denke: ja, dem Festival scheint es gelungen zu sein. Kolding könnte sich langsam zur Stadt des Lichts in Dänemark entwickeln. Frederikshavn hat sich diesen Namen 2006 gegeben, aber daraufhin passierte nichts, sagt Otto. Außerdem gibt es aktuell zwei weitere Städte, die ebenfalls den Titel für sich beanspruchen wollen. Da Kolding schon Designstadt ist, schätzt Otto, dass es wohl noch ein paar Jahre Entwicklung brauchen würde, bis die Stadt den Titel Stadt des Lichts tragen könnte.Allemal interessant ist es, dass dieser Namenszusatz so umworben ist in Dänemark.
Eine weitere Neuerung die Kolding und das Licht dort betrifft ist, dass die Stadt beschlossen hat innerhalb kurzer Zeit die gesamte Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen umzustellen. Diese Konsequenz ist außergewöhnlich. Das soll nicht nur energiesparend sein, sondern auch durch gezielte Beleuchtung die Lichtverschmutzung verringern und neue Möglichkeiten der Straßengestaltung offenhalten.Als ich abends durch die Straßen laufe, macht mich die Vorstellung des ausschließlichen LED-Lichts etwas traurig. Gerade das orange- farbene Licht und die über den Straßen hängenden halbrunden Lampen machen die Stadt im Dunkeln noch gemütlicher, als es tagsüber schon ist.
Als ich am zweiten verregneten Tag durch Kolding laufe, sehe ich in den Fenstern Kerzen und warmes Licht. Als ich an einem Lampenladen vorbeikomme, schaue ich eine Weile. Keine der Lampen ist sehr hell. Auch alle Modelle von Louis Poulsen, einer dänischen Designfirma, die ihre Lampen weltweit vertreiben, geben ausschließlich indirektes Licht.

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