Charlie

9. September 2014

Charlie hat klare, starke blaue Augen und rötliche Haare und eine Brille, in der sich während unserer abendlichen Gespräche erst das Lagerfeuer und dann die Straßenlaternen spiegeln.Von Charlie erfahre ich gar nicht so viel im Gespräch über Licht. Am Anfang ist es für mich eher ein Weitergeben von bereits gesammeltem Wissen. Mir wird bewusst wie sehr meine Gedanken über Licht geprägt sind von den Begegungen und dem Austausch mit Menschen auf meiner Reise.
Charlie war in der Nebellichtausstellung (Your atmospheric coulour atlas)von Olafur Eliasson und erzählt von einer Kunstausstellung in Japan, in der sie als Besucher in einen dunklen Raum geführt wurde und dort Platz nehmen sollte. Nach 15 Minuten Dunkelheit und Stille, berichtet sie, hatten sich die Augen so weit an die Dunkelheit gewöhnt, dass sie die wechselnden Lichtfarben eines weiteren Raumes wahrnehmen konnte, die ihr wie die Farben eines Gemäldes erschienen. Der Eindruck war sehr intensiv.
Als wir über Schminke reden, sagt Charlie, dass Puder am schlimmsten sei, weil es dem Gesicht die individuelle Lichtreflektion nimmt, den natürlichen Glanz, und es stattdessen stumpf aussehen lässt.

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Während wir im Wald spazieren gehen, bricht die Sonne durch die Wolken des Tages und das Grün der Blätter strahlt in so vielen Schattierungen. Es ist beeindruckend, wie viele Grüntöne ein Blatt annehmen kann. Am Abend experimentiere ich mit Charlie mit dem Schattenspiel unserer Körper an den Schlossmauern des Koldinghuses. Nachdem wir in der blauen Stunde über den blassen, schönen Friedhof liefen, essen wir gemeinsam im Kerzenschein.

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Beim Abendessen mit den chinesischen Austauschstudenten, sehen diese Bilder auf facebook.Viele Bilder, die alle das gleiche zeigen. Einen Regenbogen über Peking. Das ist dort so selten, dass die drei, selbst fern von ihrer Heimat, darüber in Aufregung geraten.
Ich denke an meine Gastmutter in Irland, der ich von einem doppelten Regenbogen draußen erzählte, worauf sie erwiederte, dass ich mir nicht vorstellen könnte, wie viele Regenbögen sie schon gesehen habe.
Licht ist Komfort. Die Kolding Design School hat riesige Fensterfronten und somit großartiges Tageslicht, was die Atmosphäre des Hauses prägt. In den Studentenappartments nebenan gibt es oft nur eine einzige Lichtquelle, die Neonröhre über dem Spülbecken, irgendwie trostlos.Wobei: da sind weitere konstante Lichtquellen. Jeder, der Austauschstudenten besitzt ein Smartphone und ein Tablet und zum Arbeiten noch einen Laptop. In jeder kurzen Gesprächspause ist der Blick gebannt auf einen der Bildschirme.

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