Ditte

9. September 2014

Ditte hat hellblaue Augen, die klar und weit offen in die Welt blicken. Sie hat blonde Haare und eine wunderbar freundliche Ausstrahlung. Kurz bevor wir uns treffen, schlief sie auf dem Küchensofa der Designschool.
Auch sie erzählt von Eliassons Werken mit Begeisterung. Ansonsten, dass sie gerade ihre Masterarbeit beendet hat, mit verschiedenen Experimenten zur Befreiung von Routine, und die Routine selbst dabei schätzen gelernt hat.
Ich beantworte ihr einen Fragebogen über das Jetzt. Das gibt mir ein besonderes, gutes Gefühl.
Vom Kolding Lightfestival spricht sie begeistert, obwohl sie zugibt, dass es noch wirklich klein ist, verglichen mit dem Lichtfestival in Eindhoven, was sie auch besuchte.
Die Idee zu ihrer Lichtinstallation hat eine lange Geschichte, die letztendlich nur mit viel Phantasie wieder zu finden ist in den zwei Cubes, die auf man auf dem Lichtfestival erleben konnte. In einem hingen viele große Glühbirnen, hergestellt in Dittes Heimatstadt Aabenraa. Sie leuchten über einen Draht, warm. Der andere Cube war vollkommen dunkel, nur ein kleines Loch hat nach dem Prinzip einer Camera Obscura eine Projektion des erleuchteten Raumes in den dunklen geworfen, man erkennt die leuchtenden Drähte. Die beiden Räume sollen das Miteinander in der analogen Realität und das Allein sein im Schein des Verbundenseins der digitalen Welt darstellen. Es heißt Alone Together.
Ditte erzählt von der unerwarteten Beobachtung, dass es zu vielen persönlichen Gesprächen kam in dem dunklen Raum, während im hellen Raum die Leute sich eher schüchtern verhielten.
Mit Jule, Ronja, Lara und Martha, die alle zauberblaue Augen haben, sich in ihren Haarfarben aber unterscheiden, rede ich auch über Sicherheit spendende Dunkelheit. Dass man sich nachts anders fühlt als bei Tageslicht. Martha sagt, sie fühle sich auf dem Heimweg im Dunkeln sicherer, da ungesehen. Und auch beim Kennenlernen anderer Menschen ist es so. Fehlendes Licht kann eigene Schwachstellen verbergen und ungelieb- te Seiten verstecken. Sie macht auch Dinge möglich, die man im Hellen wohl nicht getan hätte.
Was die Mädchen vor allem gerade erleben ist eine Menge Naturlicht.Wir reden bis kurz vor zwölf und draußen dämmert es immer noch vor sich hin. Der Winter sagen sie, war hart. Lara spricht von drei Stunden Sonnenlicht am Tag, wenn die Sonne dann mal schien. Ein Mittel dagegen haben sie nicht gefunden.
Der Ort, an dem sie leben, ist schön. Inmitten des hügligen Landes liegen die zwei Höfe, auf denen Menschen mit Behinderung leben können, geprägt von anthroposophischen Grundgedanken. Die Einrichtung ist schön hell, getünchte Farben, viele Fenster.Wir betreten den Eurythmiesaal und ich bin ergriffen. Durch ein einziges Buntglasfenster fällt ein Licht, das so warm, klar und lebendig ist, wie ich es noch nie gesehen habe. Ronja erzählt von einem natürlichen Beleuchtungskonzept, bei dem im Hausdach mit Wasser gefüllte Plastikflaschen eingelassen werden, um den Raum mit dem gebrochenen Tageslicht vollkommen zu erleuchten.
An einem Regentag fahren wir gemeinsam ans Meer. Es ist wohl eine der schönsten Autofahrten meines Lebens. Das Autodach ist transparent und so ist das Innere des Fahrzeugs viel heller und angenehmer.Auf dem Rückweg fahren wir bei Plys vorbei. Sie ist eine Arbeitskollegin von Ronja und Jule und wohnt mit ihrer Familie in einem Haus, dass von innen leuchtet. Alle Wände, Möbel, Lampen sind weiß. Und stellt man sich das in Deutschland irgendwie kühl und seltsam modern vor, so ist es dort einfach gemütlich und freundlich. Später bin ich mit Ronja und dem blonden Hund von Plys im Wald spazieren. Und mal wieder fällt das Licht auf eindrucksvolle Weise in den Moment.Vielleicht ist es gerade das Schattenspiel, dass das Licht so besonders macht in diesen Situationen.

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