Jacob

9. September 2014

Jacob
 hat hellblaue Augen. (Ich schreibe das auf einem Sportplatz in der Sonne sitzend. Jacob hat gesagt, dass das Licht an diesem Ort besonders scheint.Vor mir auf dem Sportplatz macht gerade eine junge Familie Fotos von ihren langen Schatten auf dem Rasen.)

jakobtag22

Jacob nimmt mich in der Sonne vor dem Physikdepartment der Universität Aarhus in Empfang.Wir laufen durch die Sonne einmal um das Gebäude, dann ändert sich das Licht.Wir setzen unseren Weg fort durch lange Flure, über Treppen in den Keller. Jacob will mir ein paar Experimente zum Thema Licht zeigen.
Wir kommen in große Räume, keiner wirkt wirklich aufgeräumt.Alles surrt, vieles blinkt. Kunstlicht. Ich verstehe nicht sofort, dass diese riesigen Apparaturen, die sehr weltfremd wirken, etwas mit Licht zu tun haben sollen. Jedenfalls geht es bei den Maschinen eine Menge um Licht. Es wird genutzt und intensiviert, um sehr, sehr kleine Dinge sichtbar und erfahrbar zu machen.
Ein Laserlabor sieht noch chaotischer aus als die anderen Räume. Dabei ist die Anordnung der unzähligen Linsen auf den Tischen keinesfalls so willkürlich, wie sie wirkt. Ich verstehe nicht viel von dem was Jacob mir auf Englisch zu erklären versucht.Was hängen bleibt ist, dass alle Wellen das gleiche sind, nur in unterschied- licher Länge, eben für uns sichtbares Licht, UV-Licht oder Radiowellen. Ich bemerke dass meine Reise, auch aufgrund meines geringen physikalischen Schulvorwissens, nicht wirklich in die Richtung der wissenschaftlichen Erforschung von Licht geht. Ginge es nach Jacob, sollte ich mit meinem Thema alle Universitäten des Landes abklappern.
Als ich von Manfreds gesundem Licht erzähle, hält Jacob den Gedanken zunächst für pseudowissenschaftlich, kann ihn aber auch nicht widerlegen. Und bestätigt die Anwendung speziellen Lichts zu verschiedenen Zwecken zumindest insofern, dass er erzählt, dass in Gemüseregalen von Supermärkten gefiltertes Licht eingesetzt wird, damit die Tomaten röter aussehen.
Das Licht in den Kellerlaboren war furchtbar, grell, kalt und knapp. Jacob und sein Kommilitone sagen beide, dass es eher unangenehm ist dort mehrere Tage zu arbeiten. Der einzige Vorteil ist, dass man gar nichts von dem Wetter draußen mitbekommt und demnach auch nicht das Gefühl hat etwas zu verpassen, wenn draußen die Sonne scheint.
Bei Jacob im Garten bemerke ich, dass der Kontrast, in dem er lebt, schon seltsam ist für mich: Die künstlich beleuchteten und doch dunkel und weltfremd erscheinenden Labors, in denen er arbeitet, verglichen mit dem grünen, natürlich wachsenden Garten, in dem er wohnt. Für mich sind es zwei verschiedene Welten. Jacob sagt, er sieht das anders, vor allem sieht er wie die Dinge zusammenhängen. Er nennt die Solarpanels im Garten als Beispiel. Sie sind durch Laborarbeit entstanden und nun sorgen sie im Garten dafür, dass man sich warm duschen kann.
Im Garten erlebe ich zum ersten Mal draußen, wie lange es wirklich hell ist. Wir reden über Lichternährung, über die ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiß, und einer Jacobs Freunde sagt, dass man im Som- mer dann in Dänemark schnell übergewichtig werden kann, während man im Winter hungert.
Jacob fasst auch gut in Worte, was ich im Regenbogenpanorama auf dem Dach des Aros erfahren habe: Dinge können nur ihre Farbe annehmen, wenn das Licht sie auch hat. Im Regenbogenpanorama wurde das Licht durch einfarbiges Glas gefiltert und so erschien alles, was man im Panorama sehen konnte, in der Farbe des Glases.

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Jacob will mir außerdem noch etwas zeigen, was leider nicht funktioniert. Er fotografiert einige Male mit Blitz eine Schale aus Alufolie vor seinem Ohr. Schließlich erklärt er, dass Licht zum einen eben Wellen sind aber auch Teilchen, Photonen. Und diese Teilchen kann man hören, wenn sie durch den Blitz der Kamera auf die Aluminiumoberfläche treffen. Dann macht es leise „Pling“, weil das Aluminium durch den Aufprall der Teilchen leicht bewegt wird. Nur ist unser Kamerablitz nicht stark genug, um es hörbar zu machen.
Bei der Frage nach dem Hellsten Moment tut sich Jacob schwer, letztendlich sagt er, dass es wohl das Erwerben des Gartens war. Dass da viele helle Momente mit verbunden sind, stellen wir später fest.
Als ich da bin, bauen sie gemeinsam mit Freunden eine neue Bank für die Terrasse. Als diese endlich steht wird applaudiert, Gesichter strahlen vor Freude und blank poliert leuchtet auch die Bank.
Ein heller Moment.

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