Mette

9. September 2014

Mette hat blaue Augen. Am Tag meiner Weiterreise frühstücke ich mit ihr im Garten in der Sonne.
Sie erzählt mir von ihrer Arbeit. Sie hat Anthropologie studiert und mehrere Feldforschungsprojekte gemacht. Zur Zeit ist sie in ein Langzeitprojekt in Uganda eingebunden. Auch sie sagt, wie Hannes über Neuseeland, dass sie dort bleiben würde, wären hier nicht die Menschen. Ich finde sehr interessant, was Mette mir über Feldforschung erzählt und glaube, dass jede zis-Reise etwas davon hat. Mette bestätigt mir das, auch wenn ich ja gar nicht viel Zeit mit den Menschen eines Ortes verbringe. Mette sagt, das ist dann eine multifaceted field research. Ich denke, das passt gerade ganz gut zu mir. Ich bewundere und beneide etwas die Reisenden, die länger an einem Ort bleiben, denke das gibt ganz andere Möglichkeiten der Erfahrung und möch- te es selbst eines Tages so machen. Aber für jetzt ist es für mich die größere Herausforderung, mich mit vielen und immer wieder neuen Menschen auszutauschen, tiefer zu gehen, zu filtern und zu verarbeiten und mich dann wieder neu vorzustellen und einzufinden. Und zu lernen, dass es nicht viel Zeit bedarf um sich zu öffnen, kennenzulernen und zu vertrauen. Es braucht nur Offenheit und Ruhe dafür.
Das erlebe ich bei meiner dritten Übernachtung auf einem Shelterplads. Diesmal erwarte ich, das erste Mal allein zu sein. Dann brennt doch schon ein Feuer als ich ankomme. Ich zögere kurz, doch dann überwinde ich mich erneut unwissend zu vertrauen und offen zu sein und gehe nichtsahnend auf die Menschen zu, die ich vorher nicht sehen konnte.

martintag25
Es sind vier Jungen, alle drei Jahre älter als ich. Sie haben eine Menge Bier dabei und vier neugekaufte, alte Mopeds, mit denen sie spontan eine Tour von Randers nach Skagen machen. Sie sind Kindergartenfreunde. Sie machen das bisher beste Lagerfeuer meiner Reise und wir reden ziemlich lange. Es dauert ewig bis es dunkel wird und sie verschätzen sich immer wieder in der Zeit, indem sie glauben, dass es noch viel früher wäre, als es eigentlich ist. Es ist als könnten sie es selbst nicht fassen, das viele Licht. Man sieht kaum Sterne und das helle weiß-grün am Horizont weicht nicht bis es dort wieder heller wird. Zu der Zeit rede ich zu- letzt nur noch mit Martin. Ich hab das Gefühl viel über ihn zu erfahren in nur kurzer Zeit. Er vertraut mir einiges an und ich glaube auch ich erzähle sehr offen. So dass wir letztendlich sogar dabei ankommen, wie es ist, dabei zu sein, wenn ein Mensch stirbt. Es scheint ungewöhnlich mit einem Menschen, den man nur so kurz kennt, über so persönliche Sachen zu reden. Ich denke, die Lichtstimmung hat auch etwas zu der vertrauten Situation beigetragen. Der dunkle, aber nicht schwarze Himmel und das Feuer, dass uns wach gehalten hat.
Am nächsten Morgen blendet mich nach wenigen Stunden Schlaf ein unsagbar helles, klares Sonnenlicht. Der Eindruck ist bleibend, ein heller Moment. Das Licht in Dänemark in den Morgenstunden gegen sieben beeindruckt mich immer wieder. Die Sonne steht dann schon so ungewohnt hoch und das Licht ist einfach hell und echt. Es hat etwas von Wirklichkeit, was sich schwer beschreiben lässt.
Auf meiner Fahrradtour an diesem Tag bin ich sehr müde und begegne auf abgeschiedenen Wegen kaum einem Menschen, bis ich an einem Garten vorbeikomme in dem ein kleines Mädchen allein Trampolin springt. Es ruft „Hej!“ und winkt mir mit beiden Händen gleichzeitig.Auch ein leuchtender Moment.

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